Der Skat reitet ins Abendrot. Auf Schienen. Knallharte Romantik. In Berlin. Mit den Spielen 79-81.

 

Ja, ja, ja: Der Langersche Balken wurde geboren, als das Skat-Spiel schon 46 Jahre hinter sich hatte.  Das eine aus Altenburg exportiert, das andere aus Wien, aber Wurscht: heutzutage trifft man sich ohnehin in Berlin.  Der Langersche Balken heisst inzwischen Bogenbrücke, eine solche überspannt ein paar Schienen und heisst Modersohnbrücke, und dort trifft sich gern der Tourist mit versprengten Ureinwohnern und schaut gen Westen. Abends. Wohin auch die Sonne verschwindet.  Tolle Kombi: 

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Dieses Ereignis darf das Guerilla-Skat-Kollektiv nicht alleinlassen. Was auf der Modersohnbrücke gegen Abend sowieso kaum jemand ist, spätestens seit Klaviere dort aufgebaut und bespielt werden. Was wiederum nur geht, weil die Bogenbrücke eine solch stabile und in sich ruhende Konstruktion ist. Dies erklärt allerings auch nur ansatzweise, warum der Blick auf ein dickes Bündel Schienen und Schwellen und Oberleitungen und SIgnalanlagen mit dem Fernsehturm im Hintergrund so faszinierend ist. Muss es aber auch nicht – denn bewaffnet mit unserem ostbloque-Blatt haben wir besseres vor, als der lahmenden Abendsonne beim wegducken zuzuschauen. Unsere Serie mit 200 Spielen im Skatjahr 200 wartet nicht, also aufgebaut und losgekloppt:  

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Bevor die Dunkelheit einbricht über der Hauptstadt und alles in das übliche matsch-grau taucht, gewinnt Clemens, ohne auch nur einmal spielen zu müssen. Übersetzt in die Brückensprache: Gregor und Frank brechen mal wieder ein… :

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Spiel 79 schmeisst Frank als verlorenes Null über die Brüstung des Langerschen Balkens.

Spiel 80 kippt Gregor als einfaches  Pik gleich hinterher.  

Und Spiel 81? Ein Grand, 96 Punkte. Super. Aber für wen?

Wissen wir nicht. Blöd jetzt. Warum?  Weil Clemens seine Hand vor das Ergebnis hält. 

Deshalb heute keine Strasse der Besten!

Wird nachgereicht, wenn wir das rettende Ufer erreichen. Vor Sonnenaufgang. Links der Modersohnbrücke…

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Skat im Weltall – und Fritz wird unser 4.Mitspieler. Ausserdem: Wir und das längste Rohr der Welt….

Wir leben in spannenden Zeiten des Umbruchs. Genauer gesagt: Nach 75 Guerilla-Skat-Spielen war Spalte unserer Chronik restlos überfüllt.  Also geht es mit dieser Runde und  76 wieder oben los. Naja, noch nicht so ganz für Gregor, der sich  etwas im Skatkeller festgebissen hat….

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Vorbereitung ist eben alles, denn wir spielen nicht allein:

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Der freundliche Kollege in der Bildmitte heisst Friedrich Simon Archenhold,  seine Bio steht hier: http://www.einstein-website.de/biographien/archenhold_inhalt.html.

WIr spielen also vor dem  bis heute längsten beweglichen Linsenfernrohr der Welt, das hat über 100 Jahre auf dem Buckel (*Gewerbeausstellung Berlin 1896), womit dieses Fernrohr sich als stolzer Enkel   des Skatspiels (200 Jahre) fühlen könnte, falls dieser Gedanke in irgendeine Richtung Sinn ergeben sollte.  Das Fernrohr jedenfalls hinter uns, nicht im Bild die Mücken-Hundertschaften im Vordergrund. Wissenschaft fordert Opfer….

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Eines zeigen die Aufnahmen von Sabine deutlich: SO ein Fernrohr hat schon seinen Sinn. Es kann scheinbar winzige DInge ganz schön vergrössern. Ohne weitere Erklärungen zum spektakulären Beweis in Form einer Fotoserie:  2013_0706DZ

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Wahnsinn, oder? Wieder ordentlich zurück-gezoomt gehen unsere Skat-Spiele 76-78  so über den Rasen:

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Hier der Spielverlauf im Schnelldurchlauf und aus der Chronisten-Perspektive:

sdb

Etwas ausführlicher: Gregor bohrt sich weiter vor Richtung Erdmittelpunkt, Frank macht ein mageres Spiel, Clemens hält sich weiter vornehm zurück, was ihn die Führung kostet:

– In Spiel #76 verliert  Gregor ein einfaches Kreuz, was -48 bedeutet,

– In  #77  serviert Frank ein einfaches Pik – das einfache 22 Punkte einbringt.

– Wogegen  in #78 Gregor einen Grand ohne die beiden Spitzenkader knapp erdet, weitere -144.

Macht aber nix, schliesslich spielen wir an einem Ort, an dem Albert Einstein vor 98 Jahren seinen ersten öffentlichen Vortrag zur Relativitätstheorie hielt:

programm_juni_1915

(vielen Dank für das Bild an die http://www.einstein-website.de)

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Die Strasse der Besten also nur eine relative Angelegenheit, die in absoluten Zahlen nach Spiel 78 von 200 so aussieht:

Gold: Frank mit 821

Silber: Clemens mit 802

Bronze: Gregor mit -382 Punkten.

The sky is the limit…..

Skat an einem Ehrenmal. In 3 Akten. Dazu lange Schatten. Und eine Strasse der Besten.

Prolog.

DDR, 1970. Eine Briefmarke.

Stamps_of_Germany_(DDR)_1970,_MiNr_1604

1. Akt.

2013, wir sind auf dem Weg zu „Mutter Heimat“ (auf der Marke vorn, hier im Hintergund). Aufbauarbeiten. „Von nüscht kommt nüscht!“ (Quelle: Gregor).

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Das dazugehörige Sowjetische Ehrenmal in Berlin-Treptow  hat in diesem Jahr einige Schlagzeilen gelandet, hier zum Beispiel:

http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/wie-gespenstisch-ist-denn-das–9–mai-2013–stasi-spuk-am-ehrenmal,7169128,22719744.html

oder, tragischerweise und vor wenigen Tagen, hier:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/iwan-odartschenko-modell-fuer-sowjet-ehrenmal-in-berlin-treptow-tot-a-909741.html

Also widmen wir eine Runde Guerilla-Skat dem guten alten Iwan Odartschenko, und passen uns für einen Moment ein in die perfekt symetrische Anlage:

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 2.Akt

In dem lassen wir hheut mal  Bilder sprechen. Sabine hat eine Serie im Zeichen des länger werdenden Schattens geschossen. man meint ja gar nicht, wie lange 3 Spiele so sind, aber Skat wird ja auch nicht umsonst 200 Jahre alt…:

treptow  2013_0706DA  2013_0706DD  2013_0706CM2013_0706CU  2013_0706CX

Gegenlicht. Pause. Dann:

3.Akt.

Traditionell notiert Clemens jedes noch so unbedeutend scheinende  Spielergebnis. Am Horizont: Die 13-Meter-Bronzefigur. Im Vordergund: Strenge Blicke der mitrechnenden Mitspieler Gregor und Frank.

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Epilog.

Die Strasse der Besten. 75 SPiele sind absolviert. Clemens malt ein Ehrenmal.

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Spiel 73?  Frank spielt sein Lieblingsspiel. Und gewinnt. Null. 23 Punkte. Gäääähn.

Spiel 74? Frank spielt nochmal. Und noch punktärmer. Einfaches Herz. 20 Punkte.

Spiel 75? Gregor wagt sich an einen Grand mit 2 Jungs. 72 Punkte. Jeht doch!

Wer spielt nicht? Clemens. Seit numehr 10 Spielen oder 3 kompletten Runden und etwas Kleinkram verweigert sich der Führende jeder aktiven Teilnahme, oder „wird immer überreizt“ (Quelle: Clemens).

Was das bedeutet:

Trotz alledem! Auf Platz 1 weiter: Clemens – mit wertigen 802 Dingern im Stock.

Aber Vorsicht! Auf Platz 2 hat sich Frank unauffällig aber dicht rangerobbt: 799  – fehlen noch 4 Pünktchen zum Machwechsel!

Und hinten? Stabilität.  Also Gregor. Noch etwas auf Abstand mit Minus 189.

Aber noch warten 125 Spiele. Die Schatten werden länger.

Vorhang, Applaus, Feierabend-Bier. 

Ein Kreuz. Ein Berg. Eine Ex-Brücke. Ein Skat-Spiel. Noch eins. Und noch eins…

Es gibt Brücken, die gibts gar nicht. Zum Beispiel die Brommybrücke – die 1909 auf- und 1945 kaputtgemacht  wurde. Seit 1945 verbindet die Brommybrücke die Berliner Stadtbezirke  Kreuzberg und Friedrichshain nicht mehr miteinander.   kreuz1 Das finden manche toll, manche nicht, manche tragen die Gedanken der anderen zusammen und packen sie in Zeitungsartikel wie diesen: http://www.berliner-zeitung.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg-ein-neuer-weg-ueber-die-spree,10809148,20740356.html , aber wir haben wichtigeres zu erledigen: Mal abgesehen von den 200 Spielen im Jahr 200 des Skat huldigen wir aktuell den 4 Spielfarben, und nachdem Pik bereits erfolgreich abgehakt ist, heute also Kreuz. Kreuz wie in KREUZberg. Darum tatsächlich unser erstes (1.!) Spiel im Westen, übrigens auch unser erstes Spiel über Wasser:  Guerilla-Skat auf dem, was von der Brommybrücke auf Westberliner Seite übrig ist. Und was die Berliner Stadtentwicklung romantisch Spreebalkon nennt (http://www.stadtentwicklung.berlin.de/staedtebau/foerderprogramme/stadtumbau/Spreebalkon-Brommystrasse.3431.0.html ) : Hier servieren wir also unsere Skatspiele 70-72. Auf der anderen Seite des Wassers schön zu erkennen die neue Daimler-Zentrale, davor die Eastside-Gallery, davor die Baustelle für nette kleine Hütten direkt am Wasser (wir berichteten…). kreuz2  kreuz4 Diese Bilder wären nicht von Sabine fotografiert, hätten wir nicht diese spektakuläre Aufnahme im Angebot: Kreuz ist unsere Devise, wir spielen in Kreuzberg, und dann rumpelt auch noch die MS Keuzberg hinter uns über die Spree. Blöd nur, dass Gregor in der Hektik des Moments 2 Herzkarten hochhält, aber: Alles Gute ist leider nie zusammen… kreuz3 Und mit diesem etwas platten Spruch hinnein in die Schlussabrechnung dieser Skatrunde. Kurz gesagt: Der Herr mit  Strohhut hält sich einmal mehr raus. Statt dessen fuchtelt  Gregor wie erwähnt mit Herz herum, was in Spiel #70 beachtliche 20 Punkte bringt! Spiel #71 beweisst die bauernregel, dass ein einfacher Grand  mehr bringt als ein einfaches Herz, nämlich 48 Punkte für Frank. Spiel #72 und diese Runde endet schliesslich mit: KREUZ! Aber einfach, und darum mit weiteren 24 Punkten für Gregor. Und das führt zu dieser neuen STrasse der Besten nach 72 vn 200 Skatspielen: Clemens führt mit 802, Frank folgt knapp mit 756, Gregor hält tapfer das Negativ-Ende mit -261.   Danke Kreuzberg! Bis bald, Brommybrücke!

Schwarz ist keine Farbe, aber Pik. Unsere Sonder-Skat-Spiele 67 – 69

Wir haben da mal eine unfassbar wichtige Entdeckung gemacht: Beim Skat kann man jede einzelne Spielkarte einer von 4 Gruppen zuordnen: Den sogenannten Spielfarben nämlich, also Pik, Kreuz, Herz oder Karo:

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Ohne diese „Farben“ kein Skat, also auch kein 200-Jahre-Skat-Jubiläum, also auch keine Guerilla-Skat-Serie mit 200 Spielen zum Skat-Geburtstag. Weshalb wir  4 Sonderrunden einlegen werden – und diese hier widmen wir der Spielfarbe mit der Skat-Endziffer 11: Dem Pik.  Hier fotografisch in Szene gesetzt von Sabine, die uns mit brandneuer Aufnahmetechnikdie nächsten Guerilla-Skat-Runden begleiten wird (darüber später mehr):

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ABer wie spielt man Skat und würdigt dabei Pik. Hier kommt eine geniale Idee von Clemens ins Spiel: Unter den Augen von Pieck natürlich. Wilhelm Pieck. Am Strausberger Platz, direkt an der kulturellen und Landesgrenze Berlin-Mitte und Berlin-Friedrichshain.

Herr Pieck ist der ältere Kollege im Hintergrund, der hoffentlich heiterer aussah, als er   im Oktober 1954 hier das Gebäude STrausberger Platz 19  als „Haus des Kindes“ eröffnete. (Sah er übrigens: http://www.dhm.de/datenbank/dhm.php?seite=5&fld_0=BA145173 )

 

Heute gibts hier keine Kindersachen mehr im Haus des Kindes, sondern dänische Möbel. Aber Pieck ist noch da. Und wir….

 

 

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So trostlos die Kulisse wirken mag, so spannend diese Runde, protokolliert von Clemens (mit Hut):

 

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In Spiel #67 arbeitet sich Gregor weiter in den Minus-Bereich vor, indem er ein Kreuz erdet: -60 Punkte.

Aber war da nicht was mit Pik? Unter den strengen Augen des Ex-DDR-Präsidenten serviert Frank in Spiel #68 assistiert  vom Kreuz- ,  Pik- und Herz-Buben ein Pik, was folgerichtig zu einer 44-Punkte-Gutschrift führt.

Naja, und auf  Spiel #69 müssen wir nicht weiter eingehen, jedenfalls solange nicht, bis hier Karo als Farbe gewürdigt wurde, die grosse Unterschätzte –  Frank spielt also Karo und gewinnt nochmal 54 Punkte.

Gäbe es im Haus des Kindes eine Siegerehrung, würde das SIegertreppchen nach 69 von 200 Spielen so befüllt werden:

Bronze: Gregor mit -303

Silber: Frank mit 654

Gold weiterhin: Clemens mit 708.

Aber wird Clemens diesen Vorsprung halten können, wenn wir dem Kreuz huldigen?

Es bleibt: Spannend!

 

Das Elend hat ein Ende: Wir stoppen Urlaubsunterbrechung I

Ferien, knifflige Sache:

Ohne 3 Mitspieler keine gültige Runde Guerilla-Skat. Weshalb wir in unsere Urlaubsplanungplanung ein Zeitfenster gebaggert haben, um dem Skat-Jubiläum zu huldigen und auf unserem heligen Weg- 200 Spiele für 200 Jahre Skat  – weiter voranzukommen. ALso: In wenigen Stunden geht es hier weiter.

Als kleinen Dank fürs geduldige Warten hier ein Fotodokument unses bislang  am weitesten gereisten Ostbloque-Kartenspiels – exakt 7.794 Kilometer östlich, kurz hinter Ulan-Bator im mongolischen Bergbaustädtchen Nalaich:

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