Hurra! Wir sind Junioren!

Langsam gehen wir ja in die Zielgerade unseres Guerilla-Skat-Marathons  – Nur noch 170 Spiele, dann sind die 200 Jahre der Erst-Erwähnung feierlich geehrt. Und was stellen wir kurz vor dem Finish fest? Wir sind totaler Nachwuchs! Kleine Gruppe! Das Bild dazu:

kita-gruppe in leipzig

Der Rest steht hier:

http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/kartenspiel-40-jaehrige-gelten-im-skat-als-nachwuchsspieler,20641266,21767526.html

Aber halt ! So richtig interessant wird es im letzten Absatz des Artikels: Sollten Angela Merkel oder Peer Steinbrück eine Ehrenrunde mit dem Skat-Nachwuchs von Ostbloque spielen wollen (um auch mal zu gewinnen): mail genügt….

Ein Spiel ohne Gnade: Wenn aufrechte Skatspieler brutal vor Gericht gezerrt werden!

Ja, es sieht so einfach,  friedlich und harmonisch aus, doch Vorsicht! Trugschluss!

Skat-Taufe-16

Heute also der versprochene Rückblick auf die düstere Schattenseite des Skatspiels. Wie bereits erwähnt: Skat ist Krieg, in praktisch jedem Moment sind die Spieler nur einen Millimeter vom grossen Krach entfernt. Schon Kleinigkeiten genügen, und das üppige Regelwerk des eigentlich elegant/einfachen Spiels deckt kuriose Spiel– oder Verhaltensweisen nicht mehr ab. Bevor wir uns also an die Gurgel gingen, schrieben wir am 27.Januar   das Skatgericht an (sh. hier: http://www.deutscherskatverband.de/deutsches_skatgericht.html), dass zu diesem zeitpunbkt noch nicht wusste, dass es 3 tage später das aufsehenerregende Urteil SkGE 120-2013 fällen würde.

Der Grund: Alleinspieler Frank sah sich nach einer mutigen Aktion im Kreuzfeuer heftigster Kritik von Clemens und Gregor, wir haben das dem Skatgericht so geschildert (und man merkt im seltsamen Stil nochdie nachwirkende Empörung…:

——————————————————————————————–

Ihre Anfrage:
Folgende Frage tauchte gestern Nacht auf: Der Alleinspieler (Grand mit 3, Schneider angesagt) deckt in Vorhand sein Blatt nach dem 3. Stich auf, in der Erwartung, keinen Stich mehr abgeben zu müssen.
Er hat dabei übersehen, dass Rückhand noch genau einmal mit dem Karo-Buben einstechen kann, allerdings ohne aus dem Schneider zu kommen, also ohne das angesagte Spiel zu Fall zu bringen. Der Alleinspieler argumentiert, dass er der Gegenseite einen klaren Vorteil gibt, aber nicht zu ouvert gewechselt ist und klar seine 120 punkte erhält. Die Mitspieler behaupten, das Aufdecken beinhalte die Sicherheit, keinen Stich mehr abzugeben – das <spiel ist also verloren. Wir haben das Spiel für den Alleinspieler gewertet, aber unter dem Vorbehalt einer höchstrichterlichen Entscheidung.

————————————————————————————

Nur 3 Tage später gab uns das Internationale Skatgericht per email das Urteil bekannt:

————————————————————————————-

Wird wie folgt entschieden:
Der Alleinspieler hat sein Spiel, so wie angesagt, verloren.
Begründung:
Zunächst ist anzumerken, dass nach ISkO 5.2.5 (siehe unten) eine „Schneider“ Ansage nur erfolgen kann, wenn der Alleinspieler ein Handspiel durchführt. Wir gehen davon aus (obwohl es für die Entscheidung unerheblich ist), dass der Alleinspieler ein Handspiel durchgeführt und eine „Schneider“ Ansage vorgenommen hat.
ISkO 5.2.5 Schneider angesagt und Schwarz angesagt wird nur dann berechnet, wenn der
Alleinspieler bei einem Handspiel die betreffende Gewinnstufe tatsächlich angesagt hat.
Erreicht er sie nicht, hat er das Spiel mindestens in der angesagten Gewinnstufe verloren.
Gewinnt er in einer höheren Gewinnstufe als der angesagten, zählt die höhere. Verliert
der Alleinspieler in der angesagten Gewinnstufe, wird ihm diese nicht doppelt berechnet
(den so genannten Eigenschneider gibt es nicht).
Der Alleinspieler hat eine nach ISkO 4.3.4 (siehe unten) erlaubte Spielabkürzung vorgenommen und sich damit selbst verpflichtet, alle weiteren Stiche zu erhalten. Weil er noch einen Stich abgeben muss,
kann er dieser sich selbst auferlegten Verpflichtung (alle Reststiche zu erhalten) nicht nachkommen.

Da der Alleinspieler seine Karten ohne Abgabe einer einschränkenden Erklärung (z. B. „Ihr könnt noch einen Stich machen, aber nicht mehr aus dem Schneider kommen“) vorgezeigt hat, gehören die verbleibenden sieben Reststiche der Gegenpartei. Aus diesem Grund muss ihm das Spiel (so wie es angesagt wurde) als verloren abgeschrieben werden.
Der Alleinspieler ist für alle seine Handlungen selbst verantwortlich. Dementsprechend muss er auch die daraus entstehenden Konsequenzen (im o.g. Fall Spielverlust) tragen.
ISkO 4.3.4 Durch das Auflegen oder Zeigen seiner Karten (auch nur an einen Gegenspieler) während eines Farb- oder Grandspiels ohne Abgabe einer Erklärung verpflichtet sich der Alleinspieler,  alle weiteren Stiche zu machen. Gibt er eine Erklärung ab, muß er sie in allen
Punkten erfüllen. Die Bestimmungen 4.1.3 bis 4.1.6 gelten entsprechend. Bei Nullspielen
zeigt er auf diese Weise an, keinen Stich zu erhalten.

———————————————————————————-

Tja, und so wurde also aus einem: Frank hat gewonnen ein:  Frank hat gewonnen . Auch blöd irgendwie. Aber rechtens. Irgendwie….

Die Spiele 25-27: Skatspieler vor Gericht, fadenscheinige Ausflüchte und ein super-vergeigter Grand. Das wird teuer….

Kein Marathon ohne anständige Verpflegung:  Deshalb kombinieren wir Skat, ein Mittags-Bier und ein kleines Essen in das Dreick Inselstrasse/Neue Jakobstrasse/Köpenicker Strasse.

Wer GPS spricht, hätte uns hier gefunden: 52Grad 30.699N, 13Grad24.821O.

Und das wäre wegen einer heftigen Debatte spannend geworden,  was am abgebildeten und mit einer Spezialkamera in einer Hochgeschwindigkeits-Serie aufgenommenen Blatt liegt:

DSCF0482  DSCF0483

WIr beginnen also mit einem kleinen Grand, den Gregor mit 72 Punkten nach Hause holt. Dann folgt in Spiel 2 ein unkaputtbarer Grand mit 2, den Frank schwarz gespielt hätte, wäre nicht zwischenzeitlich das Essen geliefert worden und hätte für Ablenkung gesorgt. So beginnt das unverlierbare Spiel mit dem kleinen Handicap, dass Frank nur eine Karte gedrückt hat. Das passiert eigentlich eher Anfängern, Überambitionierten oder sehr Unkonzentrierten. Frank plädiert auf höhere Gewalt, was von Clemens und Gregor mit dem trefflichen Argument des „fadenscheinigen Rechts“  neutralisiert wird. Die Rechnung wäre übrigens so ausgegangen: Mit 2, Spiel 3, Schneider 4, Schwarz 5, verloren 10, und das mal Grand (24), also sehr fiese 240 Miese.  Wortreich zugetextet (von Frank)  einigen wir uns auf Wiederholung, Clemens nutzt die Gunst der Stunde  zu einem Grand und sammelt weitere 144 Punkte. Und dann spielt Gregor den Grand des Tages.

Und da meldet sich der Skat-Gott mt seinem etwas irren Sinn für Humor. Mit nur 3 Stichen  holen Clemens und Frank das Spiel knapp an land (63 Punkte), Gregor verliert – hat mit 4 Jungs gespielt – und das macht? Sh. oben.:  240 Miese.

Wie wir einmal das internationale Skatgericht beschäftigten (und Frank mit Pauken und Trompeten verurteilt wurde) und was wir in Altenburg über fadenscheiniges Recht lernten: Das folgt im nächsten Eintrag. Für heute halten wir fest:

Unser Guerilla-Skat-Marathon ist bei 13,5% Füllstand angekommen, Clemens führt weiterhin und fast uneinholbar vor Frank, etwas abgefallen Gregor.   Spannung pur.

Und weil hier „Skat ist Krieg“ getaggt, der link zur Quelle,  einem interessanten älteren Aufsatz: http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/Marathon-Qualitaeten-gefragt-Skat-ist-Krieg;art4306,1007647